Kanzlei-Recruiting neu gedacht: Praxistipps einer HR-Managerin für mehr Nachwuchs
Shownotes
Wir starten ins neue Jahr mit den besten Tipps, damit Sie für Ihre Kanzlei in diesem Jahr den gesuchten Nachwuchs gewinnen können: Die lex'talk about tax Moderatoren Carola Heine und Olaf Clüver sprechen mit der Kanzlei-HR-Managerin Christina Böke über die Herausforderungen, Azubis und duale Studierende zu finden. Spannende Einsichten in die Praxis und handfeste Tipps - unbedingt hören und bookmarken!
Christina Böke
https://www.linkedin.com/in/christina-b%C3%B6ke-372862240/
https://boekeundpartner.de/
Infos der Steuerberaterkammer Niedersachsen für Azubi:
https://www.stbk-niedersachsen.de/de/ausundfortbildung/ausbildungsteuerfachangestellter/
Ein Job, der sich auszahlt: https://www.zahltsichausbildung.de/
Gemeinsam handeln: https://www.initiative-gemeinsam-handeln.de
Transkript anzeigen
Olaf Clüver: Christina Böcke ist heute bei uns. Herzlich willkommen. Wir haben Sie schon auf der Tax Arena getroffen. Christina ist tief verwurzelt in der Steuerberater-Bubble, leitet das HR in der Kanzlei und ist Mutter von inzwischen vier erwachsenen Kindern und schafft es trotzdem irgendwie, Einladung Folge zu leisten. Dafür schon mal ganz großen Respekt. Sehr sympathisch. Hallo Christina, schön, dass du hier bist.
Christina Böke: Hallo Urlaub, super gerne!
Carola Heine: Hallo Christina. Jetzt hat Olaf natürlich schon einiges verraten, aber wenn du unseren Podcast schon mal gehört hast, dann weißt du, dass jetzt ein Fußnoten-Jingle kommt, wo unser Gast noch die Gelegenheit hat, sich selber noch ein bisschen weiter im Detail vorzustellen. Den Single hören wir nicht, den spielen wir im Nachhinein ein. Den musst du dir jetzt einmal kurz vorstellen und dann bitten wir dich, die drei Fußnoten zu deiner Person.
Christina Böke: Hallo Carola, gerne. Ich habe mir natürlich Gedanken gemacht und ich habe letzte Woche einen Podcast gehört und habe überrascht festgestellt, dass ich eine Mosaikkarriere habe. Das bedeutet, dass man eine Vielzahl an Erfahrungen und Stationen in seinem Leben hat, die nicht linear und nicht chronologisch sind. Und ich würde sagen, das zeichnet mein Leben aus. Das wäre dann aber keine Fußnote mehr, wenn man da überall nachfragt. Ich bin ganz großer Familienmensch, was irgendwie Sinn macht, wenn man vier Kinder hat. Inzwischen auch anderthalb Enkelkinder. Das eine ist noch im Wutbereich der Mutter. Und ich mag Menschen einfach allgemein. Und etwas, was mich noch vielleicht ausmacht, ist, dass ich super, super gerne Star Trek mag.
Carola Heine: ein Trecki. jetzt müssen wir leider trotz... Nein, wir müssen jetzt zum Thema zurück. Nein, Olaf, nein, aus.
Olaf Clüver: Okay.
Christina Böke: Also mein größtes
Olaf Clüver: Das war mir so ein... Das war mir so ein... Okay. Das ist aber gut.
Christina Böke: ist, wenn ich das noch anscheinend... Also mein aller schönstes ist, wenn ich Raumschiffe baue, das geht nicht mit Lego, das geht nur mit BlueBix und dabei auf dem Tablet Star Trek gucke.
Carola Heine: Aber ich... Okay, jetzt muss ich Olaf zurückhalten, weil wir haben ein Thema heute, man sollte es kaum glauben.
Olaf Clüver: Ja, wir haben ein Thema, Ein sehr interessantes Thema und wir wollen ja was dazulernen. Also, Christel, jetzt lass uns mal so langsam einsteigen. Die Branche hat ja trotz all unserer Innovationsbemühungen immer noch ein relativ trockenes Image. Später kommen wir dann noch mal zu Aktionen, die wir machen könnten, das Ganze zu ändern. Aber ich frag dich jetzt mal, eure Kanzlei hat jedes Jahr mehrere Azubis und Interessant ist natürlich, wo kommen die her? Wie findet ihr die zwischen Instagram und Albi-Ball?
Christina Böke: Ja, das ist tatsächlich nicht so einfach. Wir haben als Allererstes dafür gesorgt, dass wir sichtbar sind in Kombi. Also zum einen, dass wir mit einer Marketingmitarbeiterin dafür gesorgt haben, dass wir selber einen Auftritt haben, sichtbar sind, dass unsere Arbeitgebermarke eben auch nach außen scheint im besten Sinne und dass der Wahrheit entspricht und nicht unserem Wunsch denken. Und auf der anderen Seite haben wir dann angefangen, Berufsmessen zu gehen und uns auch Portalen anzumelden. Ich weiß nicht, ob ich da Beispiele nennen soll, aber das war so der Start und der Anfang und dadurch läuft es jetzt wirklich gut. Also wir haben aktuell für den nächsten Jahrgang 116 Bewerbungen und es gibt täglich was ein.
Olaf Clüver: Das ist schon eine Ansage. Habt ihr im Laufe dieser Zeit mit eigenem Auftritt, berufsmäßig eventuell, noch andere vielleicht so unkanzleilige, extravagante, abgefahrene Sachen entdeckt und gefunden, die man vielleicht noch dazu nutzen kann, ⁓ den Nachwuchs zu finden?
Christina Böke: Da muss man sich so ein bisschen immer mit dem arrangieren, mit dem Umfeld, dem man lebt. Also wenn ich jetzt in einer Herde, jetzt habe ich kein Beispiel vorbereitet, aber wenn ich in einer Herde Kühe bin und wage, ich möchte diese Kühe gerne nach draußen zeigen und ein bisschen unkonventionell sagen, dann klappt das nicht, wenn ich sage, wir fliegen jetzt mal alle über die Scheune, damit die Menschheit und das Tierwelt überrascht ist über uns. Das funktioniert nicht. Also ich hätte deutlich mehr Ideen, wie wir uns auf Social Media uns anders präsentieren könnten, als als reine Fachmenschen, sondern eben als Persönlichkeiten. Und da arbeiten wir dran mit zunehmendem Erfolg, dass auch die Kollegen sich dafür bereitfinden, dann eben auch mal was bisschen Lustigeres zu machen.
Carola Heine: Also ihr macht eure Hausaufgaben, ihr macht Marketing, macht ganz viel in der Selbstdarstellung. Jetzt hast du vier Kinder, die über 20 sind, wollen, die alle Steuerberater werden.
Christina Böke: Heikles Thema. Sie haben alle ein Praktikum in der Steuerberatung gemacht. Wir haben drei Töchter und einen Sohn. Selbst der Sohn hat dann irgendwann gesagt, ⁓ wäre vielleicht doch cool gewesen, wenn ich da reingegangen wäre.
Carola Heine: ⁓ okay.
Christina Böke: Da haben wir aber gesagt, mit Legasthenie ist es nicht die Top-Voraussetzung, ⁓ sehr schnell, sehr richtig, sehr lange, sehr komplizierte Texte zu lesen. Das muss einem dann schon nicht als schwerfallend noch mit dazugelegt werden. Von daher ist keiner dabei, aber wir haben auch für uns die Kanzlei nie so gesehen, dass wir gesagt haben, wir brauchen eine Nachfolgeregelung in der Familie.
Carola Heine: Ich wollte dich eigentlich nur ein bisschen ärgern, weil mir war schon klar, dass die Wahrscheinlichkeit nicht besonders groß ist. Denn junge Menschen laufen ja als erstes in dieses Image, das die Steuerberaterbranche immer noch hat. Es ist ja so, dass das Erste, was die denken, sind Papierberge und langweilige Arbeit. dann, sogar wenn sie sich die Mühe machen, mehr darüber herauszufinden, kommen ja erst noch ganz viele Sachen, die man vielleicht mit Anfang 20 gar nicht so super spannend findet. Was sagst du denn als Kanzlei? Wie muss eine Kanzlei auftreten? damit sie für junge Menschen interessant ist. Das sind die wichtigsten Faktoren. Wir machen zwar unsere Hausaufgaben, wir sind präsent, wir haben eine gute Website oder so, aber welche Sachen spielt ihr dann nach vorne, damit die Leute merken, das ist gar kein langweiliger Beruf, das ist vielleicht ein zukunftsfähiger Beruf, der mich interessieren könnte.
Christina Böke: Also als allererster haben wir daran gearbeitet, wie wir selber ansprechen. Und das war auch schon ein Reizthema. Das habe ich auch der letzten Talent for Techs gemerkt, dass da schon viele Kanzleiinhaber gezuckt haben. Wir duzen alle und wir lassen uns auch duzen, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand, zur Schule geht, besonders angesprochen ist, wenn ich sage, Frau Meyer, Sie möchten eine Ausbildung bei uns machen. Wir sind sehr hip und total innovativ und haben ein zukunftsweisendes Programm in unserer Ausbildung. Das funktioniert.
Carola Heine: Okay. Mhm.
Christina Böke: eben nicht. Also ich glaube, bei uns hat es zumindest funktioniert und ich würde es jedem empfehlen, Barrieren abzubauen. Und die fachlichen Barrieren, die kann ich nicht abbauen. Ich kann nicht erwarten, dass die jungen Leute sich was unter Steuerberatung vorstellen können.
Carola Heine: Aber welche Sachen, welche Infos und welchen Input gibt man denen an die Hand, damit sie sich was vorstellen kann?
Christina Böke: Grundsätzlich sagen wir, hast du Lust überhaupt mit Zahlen umzugehen, hast du Lust, detailgenau zu sein, hast du Lust, analytisch und strategisch zu arbeiten, hast du Lust, anderen zusammenzuarbeiten. Und hast du Lust, auch aufs Ergebnis zu kommen? Also wir führen in unseren Bewerbungsgesprächen keine Tests durch. Wir fragen nicht nach drei Satz, was schön wäre, also alles an Fachwissen, was wir nachschulen können, das können wir schulen. Aber wir stellen ja ein nach einer Fantasie, die wir in diese junge Person reinlegen, dass die sich glücklich fühlt in dem Berufsfeld und sich entwickeln kann.
Carola Heine: Ja.
Christina Böke: Da fragen wir im Gespräch verschiedene Kompetenzen ab. Das habe ich jetzt gerade schon gesagt, was eben so uns wichtig ist, eben Detailgenauigkeit, Ergebnisorientierung. Und da merkt man dann schon auch, wie die so ticken. Und das reicht eigentlich. Also wenn man Mathe hasst, würde ich sagen, gibt es andere tolle Berufe. Aber es ist eben nicht nur Rechnen und es ist nicht nur am Computer sitzen. Es ist viel Analytisches und mit Menschen. Eigentlich lösen wir Probleme anderer Menschen.
Carola Heine: Ich könnte mir vorstellen, dass wirklich auch ein Praktikum die beste Möglichkeit ist, die Branche hineinzuschnuppern. Wenn das denn geht, je nachdem, in welcher Lebensphase so ein junger Mensch sich bewirbt. Jetzt hast du gesagt, Kanzleien sitzen die Bewerber auch, die direkt von der Schule kommen und das ist eine Ansprache, wo die sich nicht drin wiederfinden. Gibt es noch andere klassische Recruiting-Fehler, wo man sagen kann, wenn ihr das so macht, dann kommen die nicht zu euch?
Christina Böke: Grundsätzlich, wenn ich mich nicht auf den vorbereitet habe. Also ich würde sagen, früher, bevor wir Personalwesen integriert haben, lief das auch eher so, ⁓ da kommt ja ein Bewerber, ach das war heute. Wie heißt der denn noch mal schnell, wo ist denn das? Also wir schauen uns vorher die Bewerbungsunterlagen an. Wir haben auch angefangen ohne Bewerbungsunterlagen. Da haben wir jeden angeguckt. Haben gesagt, wir gucken jede Bewerbung an, in der Hoffnung es könnte was sein. Inzwischen kriegen wir so viele Bewerbungen, dass ich dann sage, Mensch, schick uns doch bitte noch einen kurzen Lebenslauf und dann Zeugnis und das ist aber auch ein Prozess. Also ich muss auch bereit sein, erstmal anzufangen, dass jemand sagt, hallo ich heiße Christina, ich kann meinen Namen auf Deutsch sagen und vielleicht passt ihr zu mir.
Olaf Clüver: Hahahaha Die entscheidende Frage, die man den Steuerkanzleien doch stellen muss, ist doch eigentlich, ist eure Kanzlei so attraktiv? Ist der Rahmen und die Bedingung und der Job, ihr anbietet, so cool, dass dein 20-jähriges Ich sich hier bewerben würde und will hier arbeiten? Ich habe diese Frage mal gestellt auf der Tax Arena 2019 vor versammelten Steuerberatenden, als es um Newberg und solche Themen ging. Ich glaube, so viele Leute haben sich schlagartig noch nie die Fußspitzen angeboten. Wie siehst du das?
Christina Böke: Ich sehe das ganz genauso. Ich glaube, dass unser Berufsfeld in einem ganz, starken Entwicklungsprozess ist. Da kann ich drüber jammern. Ich würde eher sagen, Mensch, was für Chancen ergeben sich da? Also vor einem Jahr hätte ich noch gesagt, es gibt die Kanzleien, die halt zu den Bewerbenden passen und es gibt andere Kanzleien, zu Bewerbenden passen, die einfach ein bisschen lockerer drauf sind und sich das anders wünschen. Das würde ich jetzt heute so nicht mehr sagen. Ich würde heute sagen, ich kann leider nicht empfehlen, sich in einer Kanzlei zu bewerben, die nicht digital ist, die mich auf Zukunftstechnologien setzt und die nicht bereit ist, auch althergebrachte Arbeitsprozesse auf den Prüfstand zu stellen. Der Beruf wird sich ändern.
Olaf Clüver: Ne, Entschuldigung.
Christina Böke: Und wenn man so alt ist wie ich, dann könnte man sagen, der geht schon so hin, das kriege ich schon noch hin, so wie ich das immer gemacht habe. Aber schon gar nicht, auch wenn ich in die 40 bin, wird das auch schon nicht mehr funktionieren. Ich könnte mit meinem Althergebrachten Steuerberater zusammen alt werden, wenn ich schon selber so alt bin. Das klappt noch, aber als junger Mensch muss ich mir tatsächlich eine Kanzlei suchen, die sagt, ich habe eine Idee von der Zukunft, wie Steuerberatung zukünftig sein wird. Und da werden auch andere Skills gebraucht werden, als wir sie vor zehn Jahren gebraucht haben.
Olaf Clüver: Jetzt wachsen die jungen Menschen ja sehr digital auf. Viel digitaler als wir das auch nur jemals vermutet hätten. Aber wissen die eigentlich, wie entscheidend die Digitalisierung in der Steuerberatung ist? Haben die da eine Idee für? Und könnte es eventuell sein, dass das den Beruf in der Steuerkanzlei sogar noch attraktiver macht?
Christina Böke: Ich glaube, das wünschen die sich. Ich glaube, wenn sie sich Webseiten angucken, erkennen sie auch, was ist das für ein Büro, ich hingehe. Also wenn ich da, ohne dir jetzt zu nahe zu treten, Olaf, du bist ja auch nicht so, aber wenn ich da acht Männer die 50 habe in einem grauen oder dunkelblauen Anzug mit Krawatte. dann kann ich nicht erwarten, jemand Junges, der vielleicht auch noch Lust hat, Social-Media-Team mitzuarbeiten oder so, dass der sagt, Mensch, das ist der Arbeitgeber für mich, da passe ich ja hin ohne Ende. Also wir laufen auch nicht den ganzen Tag mit Puscheln durch die Gegend, aber es ist schon so, dass wir zeigen müssen, dass wir eben divers sind.
Olaf Clüver: Ich habe mal vor acht Jahren, als ich bei Lex mir angefangen war, eine der ersten Kanzleien, die haben damals auf ihrer Webseite die Werbung damit gemacht, dass auch die Steuerberater Jeans tragen. Vor acht Jahren war das schon noch mal ein Ansatz. Das mag ja heute anders sein. Aber wo du gesagt hast, das eigentlich schon fast wieder cool. Aber ich gebe dir Recht und das ist natürlich schon abhörend, Reihen, die sich dann auch so im Halbkreis aufstellen und alle die gleiche Krawatte tragen. Da willst du als junger Mann nicht hin, aber als junge Frau willst du das schon
Christina Böke: Ja, ja, ja.
Olaf Clüver: gar nicht hin.
Christina Böke: Ja, ja.
Carola Heine: Aber noch schlimmer ist die Alibi-Frau, die die dazwischen stellen. Dann muss die Empfangssekretärin mit dazustehen, damit das Kanzlei-Team divers ist. Man merkt doch immer, ob was für ein Foto stattfindet oder ob es wirklich gelebt wird,
Olaf Clüver: Ja absolut, sehe das ja ganz genauso und ich finde ja gestellte und gestellte Fotos sowieso immer etwas schwierig und es gibt so viele coole Sachen und da kann man auch cooles Video mal drehen oder sowas. ist ja, aber da ist eben halt noch die Frage, ist das eine von den Kanzleien, wie... eben angesprochen hatten, die was L heißt und ausläuft oder sind das eben halt auch noch junge Kanzler, die sich trotzdem so darstellen, dann ist das Imageproblem größer als ich vermutet habe. Ich weiß nicht, wie siehst du das, Christina?
Christina Böke: Ich glaube, da gibt es auch in Stadten Land Gefälle. Das erlebe ich so. Ich bin in einem HAA-Austausch. Menschen wie ich sind ja im Kanzleien doch noch eher die Unikate. Und damit wir nicht immer in der Einzelnsuppe herumkochen, haben wir so ein Netzwerk für uns aufgebaut, wo wir uns austauschen mit anderen HAA-Lern. Und da erlebe ich schon, dass die auf dem Land da doch gerade im Ausbildungsbereich noch durchaus eine Bereitschaft dazu da ist. Ach Mensch! Das Unternehmen, das kennen wir, das ist solide. Da gehst du mal hin. Und ich glaube auch, dass die, die sich da bewerben, nicht automatisch gucken, wie innovativ sind die, was haben die für eine Vision für die nächsten Jahre. Also da, glaube ich, ist es anders. Wenn ich in der Stadt viele Mitbewerber habe, sieht es ein bisschen anders aus.
Carola Heine: Moment, Personalverantwortliche im Kanzlein sind eine Ausnahme?
Christina Böke: Ja, absolut.
Carola Heine: Aber alle haben Fachkräftemangel. Gibt es noch irgendwas, was die Werkstudenten nebenbei machen dürfen?
Christina Böke: Ja. Nein, nein, nicht mal die Werkstudierenden, sondern das machen dann die Kanzleileitungen nebenbei. Also es gibt auch eine Kanzlei, die macht das auch wirklich sehr gut. Das ist eine Partnerin, die das mitmacht, aber die macht eben auch nichts anderes. Aber ansonsten, ja. Ja. Ja.
Carola Heine: ⁓ Aber das ist ein eigener, separater Job. Ja, genau wie Marketing ein eigener, separater Job ist. Wie Onboarding ein separater Prozess ist. Also, ist alles immer in einem großen... Soll das Kosten sparen oder was, wenn alles in einem Riesentopf gerührt wird?
Christina Böke: Also ich glaube, Kanzleien haben in den vergangenen Jahrzehnten den vermeintlichen Luxus gehabt, dass sie gedacht haben, wenn keiner klopft an die Tür, wir kommen ja hin mit unserer Arbeit. Das ging uns ja ähnlich. sind ja auch, angefangen zu überaltern, bis das dann irgendjemand aufleuchtete. Die Wechselbereitschaft von Steuerfachleuten war auch früher nie so hoch und
Carola Heine: Mhm.
Christina Böke: Steuerfachleute waren auch führungsautark. Also übertreibe ich jetzt mal so ein bisschen. Das sind die jungen Leute nicht mehr. Junge Leute wollen Führung. Und ich sage immer, wenn ihr euch über die Jungen aufregt, wir hätten uns das damals auch gewünscht. Wir waren nur nicht in der Position als Generation X, dass wir gesagt haben, wir möchten jetzt aber gerne gut geführt werden, sondern wir haben es einfach hingenommen, weil wir so viele waren. Und wenn ich dann sage, hättest du es gern früher auch so gehabt, dann sagen die, ja, dann sage ich ja. Und warum wirfst es denen heute vor?
Olaf Clüver: Wobei das natürlich ein Thema ist, also gerade das mit diesen Personalverantwortlichen, Marketingverantwortlichen, das ist branchenübergreifend. Also ich sehe das jetzt so bei Bewerbungen, die meine Kinder manchmal so rausschicken oder so was, dann kriegen sie dann zu hören, nach vier Wochen, ich rufe da jetzt aber mal an. Ja, ich habe auch noch so viele andere Sachen zu tun. Dann ist das tatsächlich jemand, der im Empfang arbeitet oder eigentlich irgendwie eine ganz andere Rolle hat und das nebenbei auch noch mal mal, wo ich mir gedacht habe, da setzt der Fachkräftemangel ja schon ein. Also das ist den Personal oder Marketing oder sowas, sind Fachgebiete, die sind essentiell wichtig. Diese Erkenntnis reift langsam in vielen Unternehmen und es wird dann glaube ich auch so besser, viele denken eben halt, Carola, was du eben sagtest, Kostensparen, warum mache ich nicht aus einem Job drei und der ist sowieso den ganzen Tag hier.
Carola Heine: weil ich Probleme lösen will, sonst würde ich die Person ja nicht einstellen. Und außerdem ist die Welt ja auch nicht nur in unseren Branchen, aber die Welt an sich ist komplexer geworden. Genauso wie das einen riesen Vorteil hat, wenn sich Leute von dir das Mandanten-Onboarding vernünftig zeigen lassen und danach dann durchlaufen lassen können, hat das bei Christina riesen Vorteile, wenn man sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet und nicht in der Masse der gleichgültigen Witschi-Watschi-Gespräche untergeht.
Olaf Clüver: ich bin beiden.
Christina Böke: Das startet schon viel, viel früher. Das startet schon damit. Also erstmal habe ich angefangen, habe alle Personalakten digitalisiert.
Carola Heine: Warum?
Christina Böke: Und dann, weil ich gesagt habe, es ist Blödsinn, irgendwie ordnungsnah irgendwo rumstehen zu haben, wo keiner weiß, was steht da eigentlich drin. Und als dann in irgendeiner Besprechung mal ein Partner sagte, wie war denn eigentlich das bei der und der? Und dann habe gesagt, Moment, da habe ich in meine blöde digitalisierte Dateien reingekoppt, guck mal, da steht es, da der Vertrag. Und dann haben wir eine Personalssoftware eingeführt. Das kostet alles Geld. Das möchte heute keiner mehr missen. Der Witz ist, dass tatsächlich auch viele alteingesessene Mitarbeitende keinen Sinn in Personalarbeit sehen, weil die auch sagen, wozu brauchen wir das denn?
Carola Heine: Ja, das lernen die dann schon.
Olaf Clüver: Jetzt machen wir mal so ein ganz kleines bisschen den nächsten Schritt. Ich weiß, viele junge Menschen ja häufig mehr auf Sinnsuche als auf Suche nach einer 50-Stunden-Woche. Das beinhaltet nun mal eine Tätigkeit in der Steuerkanzlei. Der Beruf ist auch durchaus arbeitsintensiv. Also als fauler Keks kannst du dich da wahrscheinlich auf Dauer nicht glücklich schätzen. Habt ihr die Frage nach Teilzeit und nach Stückzeit und Me-Time und Work-Life-Balance und diese Sachen begegnen die euch?
Christina Böke: Wir sind ja 40 Mitarbeitende und haben irgendwie 28 Arbeitszeitmodelle. Das heißt, das ist der Vorteil einer Personalsoftware. Wenn du Karola kommst und sagst, ich habe aktuell eine 40-Stunden-Woche, ich möchte aber aus welchen Gründen auch immer, wegen meinem Hund, meiner Mutter, meinem Kind, meinem Hobby, möchte ich jetzt so und so viel Stunden arbeiten, an so und so vielen Tagen, dann richten wir das
Carola Heine: in der Reihenfolge. Ja.
Christina Böke: EIN
Carola Heine: Okay, 28 Modelle auf 40 Leute.
Christina Böke: Ja, ich mache das Corona-Modell dann. Das ist überhaupt kein Problem. Du arbeitest dann natürlich so viel, wie du schaffen kannst und verdienst natürlich auch so viel, wie du dann in 28 Stunden schaffen kannst. Die Entscheidung hat jeder für sich selber.
Carola Heine: Das ist zum Beispiel was, was mich in einem Bewerbungsgespräch als Bewerberin interessieren würde. Das wäre für mich ganz relevant. Gerade auch als junger Mensch, die ja auch immer wieder vollkommen geschockt davon sind, wie anstrengend so eine Arbeitswoche ist. Oder nach einem Praktikum nach Hause kommen und sich hinschmeißen und wie meine Tochter fragen, ob man immer noch reich heiraten kann. Ich sage, nein, das hat noch nie geklappt. Das klappt auch jetzt nicht. Ich meine, es war ein Scherz.
Christina Böke: Ja, ja, ja. Ja, ja. Ja.
Olaf Clüver: ...
Carola Heine: Wir sprechen jetzt so viel über die Sachen, die Kanzleien anbieten können. klar, es ist halt ein enger Markt und Bewerber sind hart umkämpft. Aber würdest du sagen, dass jemand, der in der Steuerbranche erfolgreich sein will, erfolgreich im Sinne von harmonisch und gut mit einer Kanzlei arbeiten, sodass alle zufrieden sind, die Person, aber auch die Führungskraft, sollte man da bestimmte Eigenschaften mitbringen, abgesehen von diesem Mathe-Thema da. wenn man in der Branche lernen und bleiben will. Kann man das überhaupt so sagen oder ist das irgendwie einfach eine Entscheidung, ob man arbeiten will in der Steuerbranche? Und passt jeder.
Christina Böke: Also ich habe eine Tochter, ist Produktbetreuerin bei SAP und die stöhnte gerade, die haben nämlich Vertrauensarbeitszeit, das heißt es ist ganz egal, wie viele Stunden die arbeitet. Und da sie Unternehmen in Indien und in den USA betreut, ist sie morgens 7 und abends 7 mit dran. Und dazwischen hat sie noch das Frauennetzwerk, was sie betreut, ehrenamtlich vom Arbeitgeber erwartet. Und dann sagt sie auch, Mama, das ist so anstrengend. Und dann habe ich gesagt, weißt du was? Mit 0815 kommt nie was besonders Gutes raus. Und da sie gesagt, ja, hast du recht. Und ich glaube, das ist in jedem Beruf so. Da kuckt ihr euch das selber an. Wenn ihr sagen würdet, ach, wir machen mal so einen Podcast, die brauchen wir vorher nicht kennenzulernen. Wir laden die ein, wir schicken der Fragen, die spulen wir ab, die Fragen, spontan müssen wir auch nicht sein. Dann kommt da ein netter Podcast raus, aber nichts Gutes. Das denke ich in der Steuerbranche ist es genauso, wenn du sagst, hier gehe ich mal einen Schritt oder das gucke ich mir auch mal zu Hause an, weil ich es nicht verstanden habe, dann wird da was Gutes aus dir. Und Mittelmaß wird in allen Bereichen immer schwieriger durchkommen.
Olaf Clüver: Vielen Dank. Am Anfang schaute mein Sohn mich an und sagte dann, eigentlich sitzt du doch den ganzen Tag nur zu Hause. Ich glaube, einen Job möchte ich auch.
Carola Heine: Coach.
Christina Böke: Das sagte unser Sohn auch. Papa guckt den ganzen Tag nur in den Computer.
Olaf Clüver: Da ich zu ihm gesagt, ich sage, du siehst mich nur, wenn ich zu Hause will, sage, aber du siehst mich eben halt auch viele Tage nicht. Ja, das stimmt. Ich sage, und da sitze ich nicht rum. okay, schon verstanden. Nee, aber du hast recht. Also, da muss man sich wahrscheinlich auch so ein ganz kleines bisschen tatsächlich anpassen.
Carola Heine: Ja, ja. Es ist am Ende wie mit jeder erfolgreichen Beziehung, es ist eine Entscheidung, ob man zusammen wachsen will. Das kann man ja ausnahmsweise mal relativ pauschal sagen. Man entscheidet sich ja dafür, in was zu investieren und mitzuwachsen.
Olaf Clüver: Ahem.
Christina Böke: Genau. Und wir haben angefangen und haben gesagt, okay, wir wollen ausbilden. Wir wollen ausbilden und dann nehmen wir, ich möchte jetzt fast nicht sagen, das Kleinstchen übel, aber wir nehmen das, wo wir glauben, könnte was draus werden. Und damit sind wir auch zum Teil auf der Nase gelandet. Das hat nicht nur funktioniert. Gleichzeitig haben wir natürlich Erfahrungen in Ausbildung gesammelt. Und mit Solange machen wir das ja noch nicht. Seit 2023 sind wir erst so am Voranschreiten. Und inzwischen haben wir eben so viele Bewerbungen, dass wir sagen können, wir wollen nur die, von denen wir jetzt schon denken, die sind.
Carola Heine: Ihr habt Sachen probiert, die geflobt sind, das sind ja jetzt zwei, drei Jahre, von denen wir sprechen. Magst du das mit uns teilen? Was sollte man denn unbedingt vermeiden? Eure Erfahrung nach.
Christina Böke: Also ich bin ein sehr sozialer Mensch und ich habe auch sehr viele ehrenamtlich gearbeitet und neige auch dazu, Menschen eine Chance zu geben. Und ich würde immer noch sagen, wenn ich ein großes Unternehmen bin und 10, 12 Azubis einstellen kann, dann finde ich, gehört es für mich menschlich dazu, dass ich auch mal sage, dem gebe ich jetzt eine Chance. Also wir hatten einen Bewerber, da habe ich gesagt, die Frage stelle ich immer, ist meine Lieblingsfrage, gibt es was, worauf du in deinem jungen Leben so richtig stolz bist, dass du das gemacht hast oder dass du es nicht gemacht hast? Ich habe noch nie keine Antwort bekommen und es sind so diverse Antworten und die sind so, also wirklich individuell und ich hatte einen dabei, der hat gesagt, ich bin stolz darauf, dass ich nicht so viele Drogen genommen habe wie meine Kumpels. Und da habe ich gedacht, der hat es begriffen. Und wenn ich mehr Plätze zur Verfügung gehabt hätte, hätte ich so einen super gern dabei gehabt und hätte gesagt, wir probieren das, wir geben dir die Chance, du hast die Entscheidung. Wenn ich aber nur einen Platz habe, dann kann ich mich auf so ein Projekt leider leider nicht einlassen. Weil das Risiko wirklich mindestens 50-50 ist, dass es nicht klappt.
Carola Heine: schwer zu sagen, weil jemand, der so reflektiert ist und das begriffen hat, dass es keine gute Idee gewesen wäre. Ich wäre da voll reingestolpert, ich hätte das sofort gemacht.
Christina Böke: Ja, ja, absolut. Also ich hätte dem das total zugrundet. Ja, wir haben es ja auch. Wir hatten ja auch zwei Mal, wir haben einmal eine junge Frau, die aus privaten Gründen, also ganz, ganz verheerend, kam erst viel später noch hoch, was alles Schlimmes war, aus einer Beziehung, die sie da aus ihrer kulturellen Herkunft gedrängt war. musste dann weg da unbedingt und ist hierhergezogen und wir haben gesagt, Mensch, wir probieren das, das bei uns die Ausbildung weitermachen. Es hat aber nicht funktioniert am Ende.
Carola Heine: Trotzdem ist es wichtig, Leuten eine Chance zu geben, weil ich habe auch so ein Flop-Projekt gehabt und kann sagen, dass die junge Dame mir noch drei Jahre später geschrieben hat, dass sie sich freute, dass sie die Chance bekommen hat. Ihr habt also trotzdem ein Leben verändert, wenn auch nicht in der Kanzlei. Aber wir, also wir, ich sehe schon, wir könnten in sehr viele verschiedene Themen absteigen. Wir hatten doch eine Idee mit diesem goldenen Umschlag. Das war, wo wir mal was probiert haben. Genau. Den hast du bekommen. Wir wissen nicht, was drin steht.
Christina Böke: Ja. Ja, ja. Ich hab ihn. Jetzt darf ich aufmachen? Ich habe auch nicht reingeguckt.
Carola Heine: Genau.
Olaf Clüver: Echt nicht? Mann, bist du diszipliniert, das wär das Allererste gewesen. Hättest noch vom Mikro
Christina Böke: Nein. Ich habe gedacht, so ein bisschen warten kann ich. Also mein Mann würde sagen, Geduld ist eine meiner nicht vorhandenen Kernkompetenzen. Aber in dem Fall geht es. Also hier steht Olaf, wo würdest du liebend gerne mal hinreisen?
Carola Heine: Auch schön.
Olaf Clüver: und an den Herrn Gemahl. ⁓ die Liste ist lang. Also, ähm... Ich würde gerne Kambodscha, Vietnam und Laos die Ecke. Würde ich ganz gerne mal Urlaub machen. Dann würde ich gerne noch mal wieder nach Neuseeland. Das, glaube, ich bin mit dem Land noch nicht fertig. Ich würde im Winter ganz gerne mal mit dem Polarexpress nach Rovaminie über Lapland reisen an den Nordkap. Das finde ich sehr schön. Tromsø und ein paar Polarlichter sehen, könnte mich auch reizen. Ich könnte das endlos fortführen. wir haben...
Christina Böke: Du hast in den Umschlag geguckt vorher.
Olaf Clüver: Witzigerweise, vor kurzem haben meine Frau und ich eine Buglist gemacht mit Reiseorten. ja, das fühlt sich stetig. Das sind manchmal auch ganz kleine Sachen. selbst die Mecklenburger Seenplatte haben wir uns noch nicht angeschaut. bin einmal... mit dem Auto mehr oder weniger durchgefallen ist, auch sehr sehr viel wunderschöne Landschaft. Also man muss gar nicht unbedingt so weit reisen, auch hier ist, aber das wären so Dinge und was immer noch mein Wunsch ist einmal Railwatching in Vancouver machen, würde ich schon ziemlich cool finden.
Carola Heine: kann in die Zukunft sehen und wenn diese Erfolge erscheint ist das nächste wo du hinfahren wirst Leipzig.
Olaf Clüver: Ja, das stimmt, das ist völlig in Ordnung, was übrigens auch sehr schön ist. Wenn man da mal noch nicht gewesen ist, kann ich ihm die Reise nach Leipzig immer nur empfehlen. Das ist ja das Schöne.
Christina Böke: Sieben.
Carola Heine: Wir erwarten von dir einen Reisepodcast, sobald du anfängst, diese Ziele abzuklappern.
Olaf Clüver: Ja, aber du weißt, Carola, dass ich das nicht alleine machen kann.
Carola Heine: Da muss ich Claudi wohl einarbeiten. Zurück zum Thema. Christina, Entschuldigung, wir haben eine sehr gute Laune hier mit dir. hoffe, ihr habt bei euren ganzen Bemühungen und auch bei den Sachen, die vielleicht mal nicht so gut geklappt haben, ein interessantes Konzept, weil ihr nehmt immer einen dualen Studenten auf und einen ganz normalen Azubi, wenn man das so sagen kann.
Olaf Clüver: Good night!
Christina Böke: Ich genieße es auch sehr.
Carola Heine: Jetzt sag nochmal, wie viele Bewerbungen bekommt ihr auf diese beiden Stellen und wieso macht ihr diesen Mix?
Christina Böke: Also in Kombi 119 aktuell. Ich habe jetzt noch nicht, müsste ich nachgucken, wie es einzeln ist. Nun muss man dazu sagen, also 39 Bewerbungen habe ich sofort abgesagt.
Carola Heine: Wow.
Christina Böke: Wir kriegen auch mal Bewerbungen über Ausbildung.de oder so, die dann aus Irak sind. Das ist tatsächlich sehr häufig so. Ich schreibe denen trotzdem freundlich, dass es leider nicht funktioniert, dass wir versuchen, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Da sind zum Teil Fake-Bewerbungen dabei, aber es sind auch sehr viele, die bei den Goethe-Instituten Deutschkurse machen und einfach auf eine Zukunft hoffen.
Carola Heine: Wow! Wow.
Christina Böke: Aber das können wir eben als so kleine Kanzleinheitlich auch gar nicht leisten. Ansonsten haben wir uns entschieden, dass wir das beides anbieten wollen. Wir favorisieren tatsächlich die Ausbildung, weil die Ausbildung in Kombination mit der Berufsschule viel, besser ineinander greift, als das Studium ist.
Carola Heine: Mhm.
Christina Böke: gleichzeitig, wenn wir aber das Studium anbieten, ist das mit einem Zugpferd überhaupt Bewerbung zu bekommen. Also inzwischen können wir eben auch sagen, wenn wir nicht jetzt jemanden mit Topbewerbung haben, gerade im August hat eine Auszubildende und eine Studentin angefangen, die super, super klasse, also da sind wir total begeistert. Aber wenn wir jetzt sagen würden, wir hätten nur mittelmäßig jemanden fürs Studium, dann würden wir das auch nicht machen. Also das ist schon ein großer Zusatzaufwand und auch ein Stress, das hinzubekommen, weil das Studium in der Regel nicht fachbegleitend ist für die Praxis. Und wir haben auch verschiedene Modelle durch und fahren jetzt das dritte Modell. Aktuell haben wir wirklich die chaotische Situation, dass alle Studenten, die im nächsten Jahr fertig wird, mit dem einen System, mit der einen Hochschule, mit der privaten, verwandelt ist. Die nächste ist mit der anderen Hochschule, mit der sind wir aber auch nicht so glücklich, sodass wir jetzt neu, mit der die dieses Jahr angefangen haben, neue Variante mit einem praxisbegleitenden Studium fahren als Werkstatt. Studierende, dann rein das Studium an der Fachhochschule macht, was noch mehr Eigenverantwortung verlangt.
Olaf Clüver: Das heißt, wenn ich das richtig verstanden habe, es bei den Ausbildungen auch mehr Nachfrage und das bleibt im Prinzip der solide Klassiker oder gibt es da eine Tendenz, dass sich das mal ändern könnte?
Christina Böke: Ich glaube, es bewerben sich leider sehr, sehr viele für ein Studium, die in einer Ausbildung sehr gut aufgehoben werden.
Olaf Clüver: Teilt ihr das mit? Sagt ihr denen das? Oder müssen die da selber drauf kommen?
Christina Böke: Das kommt so ein bisschen drauf an. Also wenn ich die Personen für uns attraktiv finden würde für eine Ausbildung, dann würde ich das tatsächlich auch sagen. Und es kommt auch ein bisschen drauf an, wie der Typ so ist. Also... Viele können eben heute einen Schulabschuss, das ist eben unser Modell, das wir so gerne alle mitnehmen wollen, was ja im Gedanken sehr sozial und gut ist. Aber wenn ich dann sehr lange zur Schule gegangen bin und dann ein Fachaditur habe, dann ist doch manchmal die Haltung so, Mensch, das habe ich jetzt hingekriegt, da könnte ich doch auch Gehörtschirurg werden. Also da bin ich schon ehrlich. Man muss natürlich immer arbeitsrechtlich auch aufpassen. Wir haben auch sehr viele Angst. Ich versuche schon auch sehr freundlich wertschätzend Absagen zu schreiben. Und wenn jemand dann mich anruft und fragt, kann ich da nochmal wissen, woran hat es gelegen, dann bin ich da auch mündlich super gern bereit. Schriftlich hätte ich ein bisschen Bauchweh, weil ich dann müsste ich erstmal eine Arbeitsrechtlerin fragen. ob ich das alles dann so schreiben kann. Das ist ein bisschen schade, weil eigentlich will ich der Person helfen.
Olaf Clüver: Ja, aber mit dem Gehirnchirurgen hast mich gerade auf eine Idee gebracht. Nein, wir haben ja eben schon mal gesagt, zweiter Bildungsweg.
Carola Heine: Nein! Du bist doch nah dran!
Olaf Clüver: Wenn wir, wir haben ja eben schon gesagt, wenn man junge Leute erreichen will, ist es ja so, dass man so ein bisschen laut und auch so ein bisschen besonders nach außen kommunizieren muss. Ich lese das ja selber immer noch in Tageszeitungen, weil ich lese ja noch Tageszeitungen, steht da drin Steuerfachangestellter gesucht zur Ausbildung, wo ich mir denke, die Leute, die gesucht haben in ihrem Leben noch keine Zeitung in der Hand gehabt, aber hey, ist okay. Ihr helft dann immerhin der Zeitung. Was sind, aber wenn wir einen Schritt weitergehen, die besten Ergebnisse oder die besten Möglichkeiten, nicht nur eine Fachkraft, sondern richtigen Mitstreitern, richtigen Mitarbeiter zu bekommen, für die Company und für das Team und die Aufgabe einsteht.
Christina Böke: Ja, wenn ich dir da jetzt eine Antwort sofort aus den Ärmel schießen könnte, dann hätten wir hier nicht 40 Mitarbeiter, sondern 100. Und würden auch nicht wen verlieren. Also wir haben gerade einen wirklich tollen Auszubildenden verloren, weil der sich entschieden hat, er muss jetzt doch ein Vollstudium in Mathe anfangen. so ist das Leben. Ich glaube, darauf gibt es keine Antwort. Ich glaube, es gibt keine Antwort, weil auch jemand, der sehr zu uns passt, nicht zwingend zu einer anderen Kanzlei passen muss. Ich habe gerade unseren Ausbildungsverantwortlichen, mit denen ich hier ersten beiden Bewerbungsgespräche geführt habe, mit der einen für das praxisbezogene Studium, mit der anderen für Ausbildung, habe ich gesagt, wir stellen diese Fragen, wir stellen sie allen, damit es irgendwie fair ist im Gespräch. Und wir wollen das Potenzial sehen, die müssen noch nichts können. Wir wollen in dem eine Fantasie in die Zukunft haben. Wenn mir natürlich Fantasie fehlt, ist auch schon schwer. Und dann sage ich, und es muss auch so sein, dass du überlegen kannst, habe ich Bock mit der Person die nächsten drei Jahre ein bisschen enger zu verbringen. Und das... kann man nicht machen. Da kann man nicht sagen, so muss man sein, dann finden sich alle super.
Carola Heine: Ja, ich denke immer, wenn ihr fast 100 Bewerbungen auf zwei Stellen bekommt, irgendwie müsste man die anderen ja umleiten. Also man müsste das irgendwo hingeben können, wo die Kanzleien vielleicht nicht so viel Zeit und Kapital haben, um eine riesen Employer Branding Kampagne groß zu ziehen. da fällt mir jetzt spontan auch nichts ein, außer dass das eine gute Idee wäre, wenn man die Leute dann noch auf andere Kanzleien bringen könnte. Aber es gibt ja eine Menge Leute, die sich Mühe geben, dass diese ganze Nachwuchsgeschichte ins Rollen kommt und Kanzleien gut informiert sind und sich gut aufstellen und die richtigen Leute finden. Und du bist da so bisschen im Thema. Es ist auch einer von den Gründen, warum wir dich eingeladen haben. Hättest du Lust, unserem Publikum mal zu erzählen, was so die Berufsverbände machen, mehr junge Menschen für die Branche zu begeistern?
Christina Böke: Ja, das kann ich natürlich gerne machen. Die Steuerberaterkammern, die ja für die Ausbildung zuständig sind, originell, die haben das zum Glück erkannt und haben eine sehr große Kampagne gestartet. Ich glaube, ihr packt die Links auch in die Show Notes. Es gibt einmal eine große Kampagne zahlt sich ausbildung.de und man kann auch jetzt hier in Niedersachsen über die Kammer und natürlich in jedem anderen Bundesland auch gehen und sich über Ausbildung informieren. Also bei den www.herzigausbildung.de gibt es auch einen Link, wo man einen Test machen kann, mal ausprobieren kann, bin ich geeignet? Ich habe ihn gemacht und nicht bestanden, deswegen bin ich auch Personalerin und nicht Steuerfachfrau. Daher würde ich sagen, das war der Negativtest. Also muss funktionieren, weil ich kann es nicht. Aber man kann da mal so bisschen was sehen. Es gibt da Videos, die auch zeigen, auch mit echten Menschen, die im Steuerfach sind, die einfach auch zeigen, wie es ist, wie unser Arbeitsplatz ist.
Carola Heine: Ich mach den lieber nicht.
Christina Böke: Viele haben da wirklich nostalgische Fantasie-Indeen mit dem Holzschreibtisch und den Aktenstapeln. Das wird durch die Kammern dann doch ganz gut sichtbar. Die Steuerberaterverbände versuchen, die Steuerkanzleien zu unterstützen, indem sie eben auch Austausch anbieten oder auch ein Portal anbieten, wo Stellenanzeigen geschaltet werden können. Aber für die ganze Ausbildung und Fortbildung sind die Kammern da und die geben auch wirklich Gas gerade.
Carola Heine: Also das wäre das, wo du eine junge Person hinschicken würdest, die sich informieren will.
Christina Böke: Ja. Ich habe gerade geschimpft, habe gerade zu meinem Mann gesagt, der hatte ein Gespräch mit der Bundeskammer und der sagte, Mensch, wir kriegen auch gar nichts. Dieses, das muss richtig anlaufen mit dem Programm, das man auf der Kammerseite dann auch sichtbar ist. Und ich hatte gerade, vor dem Nachhins heute, ein Bewerbungsgespräch und habe gesagt, wie bist du denn auf uns gekommen? Und dann sagt er, ja, ich habe mal auf der Kammerwebseite geguckt. Ich habe gesagt, juhu, das rufe ich gleich meinem Mann zu, damit er im Gespräch sagt, ja, wir haben einen. Also...
Carola Heine: Aber was würdest du jetzt, also aus deiner Sicht, ja beide Varianten kennt und mit vielen Bewerbern spricht, wenn jetzt jemand kommt im Bewerbungsgespräch sagt, ich weiß nicht, ob das zu meinem Lebensentwurf passt, das klingt ja alles ganz gut. Was sagst du zu so einer Person?
Christina Böke: Ich würde erst mal zurückfragen, was ist dir denn wichtig in deinem Lebensentwurf? Und wenn wichtig ist, dass ich etwas Sinnvolles tue, denn sinnvoll ist dieser Beruf absolut. Also wer da nur ran geht, weil er gerne Zahlen rein kontrolliert oder so was sich darunter vorstellt, hat nur einen winzigen Bruchteil davon gesehen. Also wir helfen Unternehmen, dass die richtig Steuern zahlen. Wir unterstützen, die wir beraten, die, wie sie auch ihre Übergabe für an die nächste Generation machen. Also das sind die Menschen, für die wir da sind, stehen im Mittelpunkt. Und das muss ich eben auch. Ich muss Lust auf Kommunikation haben. muss Lust auf Genauigkeit haben und bisher war es immer so und ich traue dem auch zu, dass das in der Zukunft so bleibt. Steuerberatung ist ein sicherer Job. Das heißt, wenn mir das wichtig ist, ich kann den Remote von, wenn die Sicherheitstechnik stimmt, von jedem Ort der Welt aus machen. Also, wenn ich es könnte, würde ich es tun. Aber ich bin lieber Personalerin.
Olaf Clüver: Sorry, habe...
Carola Heine: Ja.
Olaf Clüver: Ich habe mich gefragt, ob sich deine Antwort wohl von der Antwort eines Verbandsmitglieds oder eines Kanzlei-Betreuers z.B. unterscheidet. Ich aber schon festgestellt, das tut sie eigentlich nicht, zumindest nicht die vom Kanzlei-Betreuer. Ich habe mich nur gefragt, warum die Steuerberater-Branche nie dieses Thema Wir-sind-System-relevant viel mehr nach außen trägt. Das ist normalerweise das größte Du hast es mit der Sicherheit des Berufes angegeben. Es ist gar nicht in Frage gestellt. Die Steuerkanzleien sind systemrelevant. Sie waren es das erste Mal, als man es in Frage gestellt hat. Zu Corona-Zeit waren sie es. Ich habe mich immer gefragt, wann kommt das große Plakat in der Kammer, im Verband oder bei irgendeiner Veranstaltung systemrelevant heute? Das hat nie jemand aufgegriffen. Hast du eine Idee, warum das so ist?
Christina Böke: Ich kann dir ehrlich sagen, es ging mir selber so. Ich habe in Corona zu meinem Mann gesagt, aber, guck mal, die sind so wichtig und die sind so wichtig und wir sind eben nicht systemrelevant. Da hat er gesagt, falsch, wir sind systemrelevant. Ohne uns werden keine Gehälter gezahlt. Ohne uns verlaufen Fristen ab, die unglaublich viel Geld kosten. Ohne uns können sich Unternehmen nicht beraten, wie sie gerade auch in Krisensituationen ihr Geld so oder so ausgeben. Ich habe selber erst so spät geschneit, von daher glaube ich bist du da einfach ganz weit vorne, Olaf, und könntest vielleicht mal einen kleinen Tipp an die Kammer schicken.
Olaf Clüver: Ja. Die hören mich sicherlich sehr gerne. Das ist ja auch bewiesen, wir haben ja auch viele Menschen schon im Podcast gehabt, zu diesen ganzen Corona-Hilfen und Abrechnungen und so weiter, selbst ein Steuerberatender, gesagt hat, Finger weg von den Corona-Hilfen, ihr macht zu viel Gewinn, ihr müsst das hinterher zurückzahlen. Selbst das ist ja ein guter Hinweis, ist ja Beratung. Und es war von Anfang an für mich auch klar, natürlich sind die Systeme relevant, denn ein großer Konzern kann sich im Zweifelsfall selber helfen. Und wenn uns diese ganzen kleinen Unternehmen wegbrechen, haben wir auch ein Riesenproblem. Deswegen habe ich mich immer gefragt, warum das Thema Systemrelevanz nicht auch in diese Personale Fachkräfte-Suche mit reingeht. Und dann habe ich mir gedacht, schockt bestimmt. Ich hätte mir das gut vorstellen können.
Carola Heine: Aber dann musst du den Leuten erst erklären, was du unter Systemrelevant verstehst, was für uns ein Insider-Thema ist inzwischen. Spätestens seit der Thorsten Lüth uns erzählt hat, wie er auf Gesetzgebungen eingewirkt wurde und wofür die sich eingesetzt haben und so wissen wir das. Aber andere hören Systemrelevant und denken, was für ein System. Also es ist eine Marketing-Aufgabe. Also die lösen wir heute, glaube ich, leider nicht mehr, obwohl ich das auch eine spannende Folge finden würde.
Olaf Clüver: als Bassword absolut verbetauglich und da hätte man zumindest mal was mit machen können. Aber gut, Ansonsten hast du natürlich recht, jetzt erst noch eine Litanei drunter zu schreiben und zu erklären, du bist systemenrelevant und was heißt das eigentlich? Viele zucken ja bei dem Wort System auch schon zusammen. Mit Blick auf die Uhr, sind im Spätherbst unserer Folge angekommen. Ich habe es angedeutet, ich würde das sagen, es war eine wunderbare Unterhaltung. Liebe Christina, vielen herzlichen Dank für deine Einschätzung, für deine Zeit und für die äußerst kurzweilige Unterhaltung. Herzlichen Dank dafür.
Christina Böke: ⁓ Vielen
Carola Heine: Vielen Dank auch von mir und ich hoffe, wir sehen uns bald wieder. Auf einer von den Tuxereen oder vielleicht hast du ja nochmal ein Thema für uns.
Christina Böke: Super gerne, es hat wirklich Spaß gemacht. Hat mich wehgetan, ich sagen. Genau.
Carola Heine: Das ist gut. Das war Christina's erster Podcast, Olaf.
Olaf Clüver: Hat man nicht gemerkt, ich hätte jetzt erwartet, hast du schon häufiger mal gemacht und vor allen Dingen auch deswegen, weil du natürlich viel zu erzählen hast, was sich wirklich auch anzuhören lohnt. By the way, Anhörern, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn euch das gefallen hat, dann würden wir uns natürlich freuen, wenn ihr uns mit Lob überschüttet, abonniert und einfach weiter sagt und weiterleitet, denn dann ist es für uns immer ein guter Grund, noch besser zu werden und weiterzumachen. Herzlichen Dank.
Carola Heine: Ihr könnt uns auf YouTube sehen, auf Spotify hören und wir freuen uns, wenn ihr nicht nur ein Like da lasst, sondern uns auch abonniert. Ja, wir sehen uns auf den nächsten Tag, Serena. Bis bald.
Olaf Clüver: Dankeschön.
Christina Böke: Bis bald!
Neuer Kommentar